Möllenbeck in Nobitz

Mittwochmorgen, halb neun in Oberwiera: Auf dem alten Agrargelände geht es zu wie im Taubenschlag. Wo zu DDR-Zeiten tausende Bullen schlachtreif gefüttert wurden, parkt seit 2002 die „Gebr. Möllenbeck“- Lebensmittelautoflotte von Uwe Siemon.

Uwe Siemon ist seit fünf Jahren sein eigener Chef, Foto: Maike Steuer

Siemon ist Lebensmittelhändler mit Leib und Seele. Seit 30 Jahren im Geschäft und doch nie wirklich IM Geschäft, den seine Läden rollen als mobile Variante durch die Region. „Wir haben sechs Transporter und eins als Backup, falls mal was passiert“, erzählt er.

Seit 18 Jahren in Nobitz unterwegs

Einer davon wird seit 18 Jahren von Pavel Solnar gefahren. Fahrtziel: Nobitz, jeden Mittwoch. Ursprünglich in der Gastronomie zu Hause heuerte der gebürtige Böhme bei „Möllenbeck“ an. „Manche Kunden kenne ich schon ihr ganzes Leben. Die sind schon die zweite Generation, die jetzt bei mir einkauft“, erzählt er lächelnd und bestückt seinen Transporter noch fix mit Kaisergemüse, Eis, Fischfilets und Eierkuchen. Alles tiefgekühlt. Ein Blick auf die Uhr. Und los geht’s. Nobitz wartet.

Pavel Solnar ist seit 18 Jahren mobiler Verkäufer, Foto: Maike Steuer

Viel Regionales und sehr persönlich

Während die Fahrzeuge ausschwärmen, hat Uwe Siemon Zeit für einen kleinen Plausch. Als Angestellter fing er kurz nach der Wende bei „Möllenbeck“ an, vor fünf Jahren schließlich wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. „Mir macht das Spaß“, sagt er und schaut um sich. Wir stehen im Lager, wo um die 2000 Produkte auf ihren Einsatz warten. Was auffällt: Neben den üblichen Verdächtigen, finden sich zahlreiche regionale und wortwörtlich „hausgemachte“ Produkte in den Regalen. „Unser hausgemachter Geflügel- und Fleischsalat geht exorbitant gut“, verrät er stolz. Gleiches gelte für frische Backwaren, Spritzgebäck oder die deftigen Eintöpfe im Weckglas. „Und Eier… Davon verkaufen wir tausende jede Woche!“

Einkaufen vor der eigenen Haustür

Anders als die meisten mobilen Fleischer- oder Bäckerautos steuern Siemons Mitarbeiter keine zentralen Plätze an in der Hoffnung auf Zulauf, sondern bieten exklusives Einkaufsvergnügen direkt vor der eigenen Haustür. „Wir haben nur Einzelkunden, die wir auf unseren Routen anfahren. Darunter viele ältere Leute, aber nicht nur. Manchmal ‚erwächst‘ die Kundschaft auch und aus dem Enkel von damals, der mit Oma einkaufen ging, ist inzwischen ein Papa geworden.“

„Die Verkäufer sind das a und o!“

So anstrengend sein Job sei, so sehr schätze er auch dessen Vielfalt und die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, merkt Uwe Siemon an. „Die Sortimentsplanung macht schon Spaß und einfach Dinge ausprobieren zu können.“ Keine Experimente hingegen wagt der Chef beim Herzstück seines Unternehmens: Den Fahrern. „Die Verkäufer sind das a und o. Sie haben den persönlichen Draht zu den Menschen. Wegen ihnen bleiben die Kunden bei uns“, ist er sich bewusst.

Mensch wie Pavel Solnar, der inzwischen bei seiner ersten Kundin in Nobitz angekommen sein dürfte, so wie jeden Mittwoch.

Info: Wer selbst mal Besuch vom Lebensmittelauto bekommen möchte – Anruf genügt: 037608 28660

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